Geige reinigen

Geige, Cello, Bratsche und Kontrabaß reinigen

Oft werden wir gefragt: Wie soll ich meine Geige oder Bratsche, mein Cello oder meinen Bogen reinigen?

Es gibt im Handel ja durchaus etliche sogenannte Reinigungsmittel. Die flüssigen Mittel sind unseres Erachtens allenfalls als Pflegeprodukte für gereinigte Lacke zu bezeichnen. Der ärgste Feind des Lackes ist der Kolofoniumstaub. Dies hat mehrere Gründe:

  1. Kolofonium ist ein Harz, das mit den im Geigenlack verwendeten Harzen zumindest ähnliche Eigenschaften aufweist. So gibt es auch Lackrezepturen, die Kolofonium als Bestandteil ausweisen.
  2. Fast alle Baumharze reagieren auf Wärme, sind also thermoplastisch. Dies hat die Folge, dass die Kolofoniumstaubpartikel bei mitunter schon geringer Wärmeeinstrahlung weich werden und sich mit der Lackoberfläche verbinden.
  3. Kolofonium muss ja klebrig sein, um die Saiten zum Schwingen anzuregen, aber es klebt eben nicht nur an den Bogenhaaren, sondern auch am Lack.

Uns ist nur ein Mittel bekannt, das es dem Laien ermöglicht, Kolofonium schonend vom Lack zu entfernen:

Das Miracle-Tuch, ein imprägniertes Tuch, das nahezu alle Verschmutzungen an der Geige und auch am Bogen entfernt, ohne den Lack zu beschädigen. Achtung: Grundsätzlich gilt für alle Reinigungsmittel: Zunächst an einer kleinen Stelle probieren, ob das verwendete Mittel sich mit dem Lack verträgt. In unserere Geigenbau-Werkstatt ist beim Miracletuch allerdings noch kein Fall einer Unverträglichkeit bekannt geworden. Im Folgenden beschreiben wir den Reinigungvorgang anhand mehrerer Bilder:

Mit Kolofoniumstaub verschmutzte Geige

Sehr gut sind die kleinen Kolofoniumkörner zu sehen. Der Lack fühlt sich rauh an und ist stumpf.

Von dem Miracletuch schneiden Sie sich nun ein Stück ab und falten es mehrfach zusammen.

Micakletuch

Nun reiben Sie das Tuch über die verschmutzten Stellen. Sie fühlen, wie rauh der Lack unter dem Tuch ist.

Reiben Sie solange mit mäßigem Druck, bis Sie keine Rauheit mehr spüren. Bitte, im Bereich der F-Löcher sollten Sie nur sehr vorichtig reiben, da  das Instrument an diesen Teilen sehr empfindlich ist.

Auch sollten Sie keinerlei Reinigungsmittel anwenden, wenn Ihr Instrument einen offenen Riss oder offene Stellen aufweist.

Reinigung mit dem Miracletuch

Danach kontrollieren Sie genau, ob aller Schmutz entfernt ist.

Die Rückstände entfernen Sie vorichtig mit einem sauberen, weichen Tuch. (Sehr gut ist auch Stoff von alten Bettlaken oder Bettbezügen geeignet.)

sauberer Lack nach der Reinigung

Das Ergebnis sieht professionell aus, der Schmutz sitzt jetzt im Miracletuch!

verschmutztes Miracletuch

Doch auch damit können Sie weiterarbeiten. Als Beispiel zeigen wir Ihnen die Möglichkeit, die Metallteile Ihres Bogenfrosches zu reinigen. Das Miracletuch eignet sich ebenfalls hervorragend zur Reinung aller Metalle.

Selbstverständlich können Sie genau wie bei Ihrem Instrument auch das Kolofonium von Ihrem Bogen beseitigen.

angelaufener verschmutzer Silberzwickel eines Geigenbogens

Wir hoffen, so sieht Ihr Bogen noch nicht aus, aber selbst dann schaffen Sie es.

Wie bei der Geigenreinigung wird das Tuch über die Metallteile gerieben.

Reinigung eines Geigenbogens

Und auch hier sieht das Ergebnis absolut professionell aus.

Gereinigter Bogenfrosch

Für weitere Fragen zum Thema Geigen reinigen haben wir ein Thema in unserem Forum eingestellt. Das Forum wird vom Geigenbaumeister moderiert. Sie erhalten kompetente Anworten aus 30 Jahren Erfahrungen im Geigenbau.

Haben Sie Anregungen oder Fragen zum Geige reinigen ?

Kommentar von DRGHL |

Moin allerseits!
Seit ich 1960 von meinem Geigenlehrer die Geigenpolitur F.M.B. "Violin Polish and Cleaner - Violin-Politur" "A GEWA Product" empfohlen bekam benutze ich dieses Mittel. Ich benutze es allerdings sehr selten, vielleicht 2 mal im Jahr. Deshalb habe ich immer noch mein letztes Fläschchen von 1985 im Gebrauch.
Mich wundert, dass niemand hier diese Politur erwähnt. War das eine vorübergehende Modeerscheinung?

Antwort von Haat-Hedlef Uilderks

Hallo,

zu der Politur kann ich leider nichts sagen, da ich sie nicht kenne und GEWA eine solche heute nicht mehr im Programm hat. Ist ja dann auch schon 60 Jahre her ;-)

Kommentar von Christa Schleinitz |

Hallo, wird bei der Oberflächenbehandlung des Cellos den Schellack noch etwas zugesetzt, um die Elastizität zu steigern? Danke Ch,Schleinitz,

Antwort von Haat-Hedlef Uilderks

Hallo Frau Schleintz,

Schelllack ist für eine Politur zu hart. Es geht eigentlich auch nur darum, den Lack zu reinigen und den originalen Glanz hervorzuholen. Mit einer Schelllackpolitur, auch wenn sie Zusätze hat, kommt immer eine neue Schicht auf den Lack, was möglichst zu vermeiden ist. Es sei denn, dass Lack ganz abgepielt wurde. Dann sucht man aber einen Lack, der dem originalen in der Zusammensetzung möglichst ähnlich ist.

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