Steg aufschneiden

Steg

(engl.: bridge)

Das Aufschneiden des Steges ist für den Klang eines Instrumentes sehr wichtig und gehört zu den häufigen Arbeiten im Geigenbau. Immerhin ist dieses kleine Stück Holz das erste Teil, welches die Schwingungen der Saite auf den Korpus überträgt. Als Material wird in aller Regel Ahorn verwendet, der ausgepräge Markstrahlen aufweist.
Im Geigenbau werden verschiedene Rohlinge für Stege angeboten. Mehrere Firmen in Europa haben eine sehr lange Tradition in diesem Handwerk. Als bedeutende Firmen sind der französische Steghersteller Aubert aus Mirecourt, die Firma Despiau, die als erste den Laser zum Schneiden der Stege nutzte, zu nennen. Als deutsche Hersteller möchte ich  die Firmen Stamm, Schuster und Teller nennen, wobei wir gerade bei hochwertigen Instrumenten die Deluxe Steg der Firma Aubert France bevorzugen. Bei historischen Instrumenten und bei besonders "heiklen" Umständen fertigen wir die Stege komplett ohne Rohling in unserer Werkstatt an. Dann wird der Steg genau für das Instrument entworfen.
Worauf kommt es nun beim Steg an?
Zunächst sollte überlegt werden, was der Grund für einen neuen Steg sein könnte.
Sind es eher klangliche oder doch spieltechnische Gründe für einen Stegwechsel? Ist letzteres der Fall und das Instrument klang aber mit dem alten Steg sehr gut, sollte Holz für den neuen Steg verwendet werden, das ähnliche Eigenschaften (Eigenton und Festigkeit) aufweist wie das des alten Steges.
Soll ein neuer Steg klangliche Verbesserungen bringen, lassen sich mit eher hartem oder eben weicherem Holz klangliche Änderungen herbeiführen. Aber auch die Gestaltung der kleinen Ausschnitte des Steges hat weitreichende Folgen für den späteren Klang des Instrumentes.
Zunächst Grundsätzliches:

  • Die Stegbreite sollte die Breite der oberen F-Kugeln nicht überschreiten.
  • Der Steg sollte im akustischen Zentrum, also auf der gedachten Linie zwischen den beiden F-Loch-Kerben stehen.
  • Der Steg sollte genau in der Flucht des Griffbrettes liegen, damit die jeweils obere und untere Saite gleich viel Abstand zum Griffbrettrand haben.

Stegstellung Ausrichtung nach dem Griffbrett

  • Der Baßstegfuß sollte bei der Geige etwa 1-2mm über den Baßbalken hinausragen.
    (Bei der Bratsche je nach Größe 2-3mm und beim Cello 3-5mm.)
  • Der Steg sollte genau zwischen den F-Kerben stehen.

Stegstellung zwischen den F-Kerben

Für das Stegaufschneiden benötigt man im Geigenbau folgende Werkzeuge:

  • 2 Schnitzmesser, die wir Geigenbauer "Schnitzer" nennen. Die Hefte machen wir in der Regel auch selbst, so dass sie optimal an die Hand angepasst sind. Um die Stegfüße an die Decke anzupassen, nehmen wir einen breiteren Schnitzer und einen sehr schmalen, um die Ausschnitte zu vergrößern.
  • Einen kleinen geradsohligen Hobel brauchen wir, um den Steg auf Stärke zu hobeln.
  • Eine Flachfeile sowie kleine Rundfeilen,
  • eine Sandpapierfeile zum letzten Glätten und
  • eine Schablone für die Stegrundung benötigen wir außerdem.

Werkzeug zum Stegaufschneiden

Der erste Arbeitsschritt ist das Hobeln der Stegfüße auf Stärke.

Dies beträgt beim Geigensteg ca. 4.5mm

Hobeln der Stegstärke

Als nächstes werden die Stegfüße an die Deckenwölbung angepasst. Dies erfordert äußerste Präzision, denn die Passgenauigkeit entscheidet über eine optimale Schwingungsübertragung.

Steg passt noch nicht

Hier muss noch einiges weggeschnitten werden. Diese passiert mit dem "großen" Schnitzer vom Werkzeugfoto.

Aufschneiden der Stegfüße

Dieses Aufschneiden erfordert ein sehr scharfes Werkzeug und eine ruhige und geschickte Hand.

Die Füsse müssen so angepasst werden, dass die Rückseite des Steges,  die zum Saitenhalter zeigt, im rechten Winkel zur gedachten Grundfläche des Instrumentes steht. Da die Vorderseite des Steges gewölbt wird, hat es den Anschein, dass der Steg leicht in Richtung Saitenhalter geneigt ist.

Die Ausschnitte, die Füße und deren Verbindungsbogen, im Geigenbau auch Brücke genannt, werden mit dem sehr schmalen Schnitzer nachgeschnitten. Größe und Form dieser Ausschnitte und Gestaltung der Füße haben große Wirkung auf die akustischen Eigenschaften des Steges und  damit auch auf das Instrument.

Passt der Steg ganz genau an die Deckenwölbung, werden die Stegrundung und die Höhe des Steges festgelegt.

Die Stegrundung muss so gestaltet sein, dass jede Saite gut alleine angestrichen werden kann, ohne die schnellen Saitenwechsel zu erschweren.

Die Höhe des Steges wird individuell auf die Spieleigenschaften und die Saitenauswahl des Musikers abgestimmt. Solistisches Spiel erfordert ebenso eine höhere Saitenlage wie zum Beispiel Darmsaiten, die eine größere Schwingungsamlitude aufweisen als Saiten mit Synthetik- oder Stahlkern.

Auch mit der Dicke des Steges läßt sich der Klang des Instrumentes variieren. Man denke allein, welchen klanglichen Effekt ein Dämpfer erzielt, der ja nicht anderes als eine Massenerhöhung des oberen Stegteiles darstellt.

Das Wölben der Stegvorderseite - dies ist die Seite, die zum Griffbrett zeigt - wird mit dem geradsohligen kleinen Messinghobel erledigt.

Die Spuren des Hobels werden leicht mit einer feinen Feile beseitigt und dann der Steg aufgestellt.

passender Steg

Dieses Foto zeigt die Passgenauigkeit des Steges ohne Saitendruck! Auch ohne die Saitenspannung müssen die Stegfüße überall passen.Die Ausschnitte im Stegs müssen danach entsprechend den klanglichen Gegebenheiten des Instrumentes individuell gestaltet werden.

Sollte der Steg sich z. B. durch das Aufziehen von neuen Saiten zu der einen oder anderen Seite neigen, sollten Sie ihn vorsichtig wieder in die richtige Position bringen. Dieses erfordert etwas Übung, für den Geigenbauer ist dies ein sehr oft gemachte Arbeit. Wenn Sie die Stegneigung selbst korrigieren wollen, sollten Sie zunächst sehr vorsichtig mit Druck- und Gegendruck ein Empfinden dafür entwickeln, die Spannung des Steges kennenzulernen. Wenig Sinn macht es , die Saiten dafür zu lockern, denn beim Stimmen besteht erneut die Gefahr, dass der Steg sich zum Griffbrett neigt.

So stellt der Geigenbauer den Steg richtig hin

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