Cellosattel ersetzen


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Cellosattel ersetzen 18049

Newbie Beiträge: 4 *
Cellosattel ersetzen
« am: 25. März 2010, 23:41:42 »
Hallo!

Tolles Forum - schon einige gute Ratschläge aufgegriffen! :)

Mein Cello habe ich von einem Verwandten bekommen, der keine Lust mehr darauf hatte. Ich verstand ziemlich bald, wieso; und seitdem stand es in der Ecke. Jetzt wollte ich mal neue Saiten aufziehen, da ist der Sattel abgefallen - er war, wie ich dann feststellte, auch nur auf weniger als der hälfte seiner Fläche festgeleimt (mit viel zu viel Leim - und passte auch gar nicht).

Ich habe jetzt aus einem Stück Ebenholz einen neuen Sattelrohling geschnitzt, der satt an Ort und Stelle sitzt. Jetzt bräuchte ich nur noch die Info, wie hoch man die Saiten denn am besten so über das Griffbrett stehen lässt.

Kann man eigentlich auch einen kommerziellen Leim (z.B. Titebond Wood Glue) für sowas verwenden, oder muss man sich den Knochenleim selbst anrühren?

Bei der Gelegenheit wollte ich das Griffbrett auch mal glätten - es ist ziemlich wellig von der Seite betrachtet. Ich habe gelesen, man sollte eine leichte Konkavkrümmung dabei berücksichtigen, um zu verhindern, dass die Saiten irgendwo dagegenscheppern - wie soll die denn ausgeformt sein? Wie eine Parabel? Oder wie ein Kreisbogenstück?

Achso, ich wollte noch hinzufügen - bei einem guten Instrument würde ich zu einem Geigenbauer gehen - aber dieses Ding ist für mich eher so zum Ausprobieren, da möchte ich nicht gern viel Geld investieren.
Für Hilfestellung wär ich total dankbar.
Beste Grüße,

Wordsmyth
Administrator Beiträge: 216 *****
Re: Cellosattel ersetzen
« Antwort #1 am: 26. März 2010, 09:25:47 »
Hallo!

Tolles Forum - schon einige gute Ratschläge aufgegriffen! :)

Danke und willkommen

 
Zitat
er war, wie ich dann feststellte, auch nur auf weniger als der hälfte seiner Fläche festgeleimt (mit viel zu viel Leim - und passte auch gar nicht).

Der Sattel soll auch nur mit wenig Leim festgeleimt werden, da er jedesmal zum Griffbrettabziehen leicht wieder entfernt werden soll

Zitat
Jetzt bräuchte ich nur noch die Info, wie hoch man die Saiten denn am besten so über das Griffbrett stehen lässt.


0,5 mm sollten eingentlich reichen, hängt aber auch von den Spielgewohnheiten ab. Mancher Cellist mag einfach ein bisschen mehr Spannung unter den Fingern.

Zitat
muss man sich den Knochenleim selbst anrühren?

Ja würde ich zu raten

Zitat
Bei der Gelegenheit wollte ich das Griffbrett auch mal glätten - es ist ziemlich wellig von der Seite betrachtet. Ich habe gelesen, man sollte eine leichte Konkavkrümmung dabei berücksichtigen, um zu verhindern, dass die Saiten irgendwo dagegenscheppern - wie soll die denn ausgeformt sein?

Das Griffbrett muss in Längsrichtung eine leicht gleichmäßige Höhlung aufweisen, diese sollte an den tiefen Saiten stärker ausgeprägt sein als an den hohen. Es ist beim Abziehen (erst hobeln, dann Ziehklinge, dann schleifen)auch darauf zu achten, dass die Griffbrettrundung richtig ist und bleibt.

Zitat
bei einem guten Instrument würde ich zu einem Geigenbauer gehen

Das sagen sie alle ;)
Viel Erfolg dabei....

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Newbie Beiträge: 4 *
Re: Cellosattel ersetzen
« Antwort #2 am: 24. Oktober 2010, 13:15:22 »
Hallo!

Ich habe mich ja lange nicht gemeldet - aber ich wollte jetzt mal Rückmeldung geben, was sich bei meinem Cello so getan hat:
Ich habe neben neuen Saiten (Larsen, A I, Stahl/Chromstahl mittel; Pirastro Permanent, D II, Stahl/Chromstahl mittel; Weidler Piatti, G III, Chromstahl stark; Thomastik Spirocore, C IV, Spiralkern/Wolfram weich) mir jetzt einen Sattel geschnitzt, der vernünftig passt, und wo die Saiten in V-Löchern geführt werden, damit zwei definierte Auflagepunkte existieren und die Saite nicht hin- und herrutschen kann.
Nach vorne hin endet er abrupt, nach hinten werden die Saiten von oben gesehen gerade zu den Wirbeln geführt.
Das mit dem Leim hat auch sehr gut geklappt - ich habe einfach nach dem Anleimen (mit nur ganz wenig Leim) die alten Saiten aufgezogen und gestimmt; nach einer Woche (bestimmt auch schon früher, aber ich hab ihm Zeit gegeben) saß er gut fest.

Ich habe mir auch noch einen neuen Steg geschnitzt, da schreibe ich gleich noch was im anderen Thema (Stegrundung).

Das Griffbrett ist jetzt schön glatt und ein bisschen konkav - ich kann jeden Ton gut und sauber intonieren.
Was ich mich gefragt habe (siehe drittes Bild): Ist es normal, dass die Aushöhlung unter dem Griffbrett schon so früh aufhört - ist das nicht unnötiger Ballast, der das System am Schwingen hindert?
... Man sieht hier übrigens auch Frässpuren von einer Maschine - bei einem guten Instrument wäre das doch sicher besser ausgearbeitet.

Beste Grüße und vielen Dank nochmal für die Tipps,

Wordsmyth
Administrator Beiträge: 216 *****
Re: Cellosattel ersetzen
« Antwort #3 am: 25. Oktober 2010, 09:53:28 »
Hallo,

die Saitenkerben des Obersattels sind nicht gut so. Es sind schon Beschädigungen an der Saitenumspinnung zu sehen. Die Saite sollte eben möglichst keine harten Reibungspunkte am Sattel haben, sondern in einer sanften Rundung, in der die Saite überall anliegt, zum Wirbel führen. So wirst Du keine lange Freude an den Saiten haben.
Die Kehlung der Griffbrettunterseite sollte bis zum Hals gehen und auch die gesamte Breite (bis auf einen Rand von etwas 1-2mm) umfassen. Da könnte noch eine Menge Material entfernt werden...

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Newbie Beiträge: 23 *
Re: Cellosattel ersetzen
« Antwort #4 am: 26. Oktober 2010, 12:38:56 »
Hallo Wordsmyth,

Zitat
die Saiten in V-Löchern
sind eine Weisheit aus dem E-Gitarrenbau. Die dort verwendeten Stahlkerne und die dazugehörigen Ummantelungen der Saiten sind für ganz andere "Gewalteinwirkungen" hergestellt. Das funktioniert auf einem Streichinstrument nur bei absolut vergleichbarem Material (das will ein Streicher in der Regel aber nicht wirklich spielen  ;)).

Der dachförmige Sattel (wie auch der "passende" Steg an anderer Stelle) ist allerdings zugegebenermaßen ein optischer Akzent!

Gruß

Amateur
Newbie Beiträge: 3 *
Re: Cellosattel ersetzen
« Antwort #5 am: 04. Februar 2011, 09:49:09 »
Hallo,

ich möchte der Aussage von Amateur widersprechen, dass v-förmige Sattelkerben eine "Weisheit" der Gitarrenbauer seien. Wenn überhaupt, sind sie eine überlieferte Dummheit, denn sie führen auch bei Gitarren zu massiven Stimmproblemen. Auch bei Gitarren sollte die Sattelkerbe möglichst exakt dem Saitenquerschnitt entsprechen um der Saite ein möglichst widerstandsfreies gleiten darin zu ermöglichen. Gleichzeitig muss ausgeschlossen werden, dass die leere Saite innerhalb der Sattelkerbe vibrieren kann. Keine einfache Aufgabe und deswegen findet man sowohl auf Zupf-, wie auch auf Streichinstrumenten nur höchst selten sorgfältig angepasste Sättel.

Liebe Grüße und viel Erfolg beim Sattel feilen

Mischa
Administrator Beiträge: 216 *****
Re: Cellosattel ersetzen
« Antwort #6 am: 04. Februar 2011, 11:55:07 »
Hallo und willkommen im Forum,

dem kann ich nur zustimmen, die Wichtigkeit und präzise Gestaltung des Obersattels wird leider nicht wichtig genug genommen. Dabei kann sie das Stimmen und die Haltbarkeit der Saiten erheblich erleichtern bzw. verlängern.
Nicht umsonst sagt man, dass man die Qualität eines Geigenbauers (und das gilt sicher auch für den Gitarrenbauer) unter anderem an der Gestaltung und Ausführung des Obersattels erkennen kann.

Grüße aus Lübeck..

PS. durch die Neugestaltung meiner www.geigenbauonline.de Seite waren kurzzeitig Smileys und Dateianhänge verschwunden. Fehler ist aber behoben und ich hoffe, die neuen Seiten gefallen Euch ::)

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