arme alte Geige selbst reparieren


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arme alte Geige selbst reparieren 20509

Newbie Beiträge: 5 *
arme alte Geige selbst reparieren
« am: 09. März 2010, 14:59:02 »
Hallo

Irgendwie komme ich immer wieder zu alten Instrumenten, die ziemlich geschunden sind.

Hat sich das jahrelang bei Gitarren so verhalten, so spiele ich nun seit etwa einem Jahr Violine und es werden auch hier langsam immer mehr.

Habe nun schon mehrere Instrumente mit offenen Leimungen und teils auch Deckenrissen hier liegen, die ich teils auf Flohmärkten oder Secondhandshops - meist für kleines Geld - erstanden habe, da ich die guten altgedienten Stücke mit viel Seele und Patina nicht liegen lassen konnte.

Leider habe ich das Geld nicht, dies alles vom Geigenbauer reparieren zu lassen, so würde ich gerne ein wenig lernen, über Wirbel- und Saitenwechsel hinauszugehen. Mit Werkzeugen decke ich mich nach und nach ein.

Ich wäre an Literaturhinweisen interessiert, ich habe zur Zeit die Bücher von Sourene Arakelian und André Roussel vor mir, die sicher interessant sind, aber eigentlich nicht in die richtige Richtung gehen.

Wäre da für Tips jeder Art dankbar.

Übrigens wäre Geigenbauer auch nach der Schule schon ein Berufswunsch von mir gewesen und ich finde es sehr interessant, dass dieses Thema nun etwa 30 Jahre später wieder auf mich zu kommt  :)

Viele Grüße vom Forumsneuling Stephan
Administrator Beiträge: 216 *****
Re: arme alte Geige selbst reparieren
« Antwort #1 am: 09. März 2010, 15:15:30 »
Hallo,
erstmal ein herzliches Willkommen...

Die Begeisterung eines Geigenbaumeisters über das Ansinnen eines Laien Geigen zu reparieren hält sich naturgemäß in Grenzen. Dies liegt vor allem daran, dass wir die "vermurksten" Instrumente irgendwann doch in die Hände bekommen.  :oEs hat ja seinen Grund, dass Geigenbauer unter Anleitung jahrelang lernen müssen.
Aber Lesen ist immer gut. Eines der besten Bücher für Reparaturen ist sicher das von Hans Weißhaar:
http://www.weisshaarrepairbook.com/
Es ist allerdings auf Englisch....
Grüße aus Lübeck

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Newbie Beiträge: 5 *
Re: arme alte Geige selbst reparieren
« Antwort #2 am: 09. März 2010, 18:18:39 »
Hallo und danke für das herzliche Willkommen

Sicher bin ich mir bewusst, dass Geigenbauer nicht begeistert sind, wenn wir selbst an unseren Geigen reparieren. Ich würde auch nie die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung anzweifeln.

Alles was ich an den Geigen mache, spreche ich darum auch mit dem Geigenbauer meines Vertrauens ab (er hat gerade heute wieder Arbeit von mir bekommen  ;)

Allerdings würde ich mich doch an dem ein oder anderen Patienten einmal gerne selbst heranwagen und kleinere Sachen auch selbst in Stand setzen. Da macht mir mein Geigenbauer auch durchaus Mut und erklärt.

Das empfohlene Buch ist sicherlich ein großartiges Werk, jedoch bei 325 Dollar oder amazon.de sogar für über 600 Euro, kommt bei mir das erklärte Problem mit dem Geld wieder in den Vordergrund.

Ist das Buch von Andreas Zimmermann jemandem bekannt? Es ist das Berichtsheft des damals lernenden Schülers an der Geigenbauschule Mittenwald und beschreibt Bau und Reparatur an der Geige.

Eine weitere Frage, vielleicht gerade an den Fachmann: Immer wieder sehe ich alte restaurierte Instrumente, deren ursprünglicher Lack und die Patina noch zu sehen sind, jedoch hinter wohl einer neuen Schicht.

Dient dies vorwiegend der Optik oder auch dem Klang der Geige?

Ist das was da aufgetragen wird einfach eine neue Schicht Geigenlack oder etwas anderes? Denn noch mehr Lack wäre wohl sicher dem Klang nicht zuträglich.

Wenn nicht, was wird da aufgetragen und ist es ebenso Geheimnissträchtig wie die Geigenlackrezepte?

Stephan
Administrator Beiträge: 216 *****
Re: arme alte Geige selbst reparieren
« Antwort #3 am: 10. März 2010, 09:52:26 »
Das Buch von Herrn Zimmermann kenne ich nicht, aber ein Anruf oder eine Mail an den Kollegen in Berlin wäre sicher eine einfache Möglichkeit näheres zu erfahren.
Was die "Schichten" über dem originalen Lack angeht, können es auch diverse Polituren sein, die eben auch zu einer richtigen Schicht führen. Natürlich können es auch sog. Überzugslacke sein, von denen aber grundsätzlich abgeraten werden kann. Es sollte bei wertvollen Instrumenten immer darum gehen,die Originalität weitgehend zu erhalten. Ist aber der Lack durch Körperkontakt (Handstelle Zargen, Boden und Decke) gänzlich abgenutzt, muss er dort natürlich wieder aufgebaut werden. Dieses am besten durch einen Lack, der dem Original sehr nahe kommt.
Gleiches gilt natürlich auch für Reparaturstellen.
Grüße aus Lübeck

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Newbie Beiträge: 5 *
Re: arme alte Geige selbst reparieren
« Antwort #4 am: 10. März 2010, 13:33:50 »
Danke für die Informationen  :)

Stephan
Newbie Beiträge: 2 *
Re: arme alte Geige selbst reparieren
« Antwort #5 am: 19. Februar 2011, 17:34:35 »
Als Bastler kann ich die amerikanische Reparaturanleitung ”Violin Repair Guide” von Michael Atria, Verlag Hal Leonard, etwa 8 Euro, empfehlen. Das Buch gibt Anleitung für die Bogenbehaarung und für die üblichen Reparaturen hinsichtlich Sattel, Steg, Wirbel, Stimmstock und Leimarbeiten.
Administrator Beiträge: 216 *****
Re: arme alte Geige selbst reparieren
« Antwort #6 am: 20. Februar 2011, 14:42:31 »
Hallo,

ich möchte es hier gerne nochmals wiederholen. Fachgerechte Reparaturen durchzuführen, braucht mehr als eine Step für Step Anleitung. Glaubt mir ,ich weiß wovon ich schreibe, im Laufe meines Geigenbauerlebens habe ich soviele "versaute" Instrumente und Bögen gesehen, die von Laien repariert worden sind. Wenn ich schon "Bogenbehaarung", "Stimmstock" und "Leimarbeiten" lese  :o
Das Problem ist eigentlich ganz einfach erklärt: wie in jedem Beruf und im Geigenbau ganz besonders muss eine handwerkliche Grundlage erlernt werden, dazu muss das Auge geschult werden, um überhaupt zu erkennen, was es heißt, eine erstklassige Reparatur herzustellen. Es gibt mittlerweile so ausgefeilte Reparaturtechniken, dass fast jeder Schaden nahezu unsichtbar wieder repariert werden kann.
Dazu reichen m.E. nach die 3 Jahre Lehrzeit im Geigenbau schon kaum aus, da man in dieser Zeit ja auch nocht das Geigenbauen  ;) lernen sollte.

Ein 2. Problem, was ich leider sehr häufig beobachtet habe: die selbsternannten "Geigenbauer" wagen sich dann auch gerne an Instrumente von Bekannten und Freunden, die in der Mehrzahl auch nicht einschätzen können, was eine fachgerechte Reparatur ausmacht. Und viele lernen auch daher nie ihre Grenze kennen (es gibt ja keinen Ausbilder, der ihnen Grenzen stetzt) und wagen sich mangels einer vernünftigen Ausbildung an Instrumente und Reparaturen heran, die viel zu kostbar sind.
Ich mußte leider schon etliche solcher Reparaturversuche sehen und möchte daher eindringlich davor warnen, leichtfertig Instrumente selbst zu reparieren oder von Laien reparieren zu lassen.

Wenn sie sich nur an den eigenen Instrumenten versuchen oder neue Instrumente bauen (das regelt der Markt von alleine), soll es mir egal sein, aber bitte von fremden die Finger lassen.

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